Buzios - Es Darf Getanzt Werden
Wer könnte sich Brasilien ohne die Samba vorstellen, wohl niemand. Jeden fällt zu Brasilien meistens Samba, Karneval und Kaffee ein. Dann noch Rio de Janeiro, Copacabana und der Zuckerhut. Damit wären die Klischees dann aber auch schon erschöpft. Irgendwann dämmert dann noch das Regenwaldproblem hoch… aber gut ich wollte übers Tanzen reden. Ausgerechnet im Staat Rio de Janeiro wird Ballroom gepflegt. Wir würden sagen Salontanz. In Búzios und Umgebung findet nicht nur jede Woche ein qualifizierter Unterricht statt, sondern regelmäßig werden auch kleinere und größere Tanzveranstaltungen durchgeführt. So bietet ein argentinisches Restaurant auf der Flaniermeile von Búzios jeden Dienstag einen Tangoabend an. Neben der Tangomusik – das Bandoneon darf da nicht fehlen – ist auch ein Showtanzpaar zugegen. Sie haben zwei drei kleine Auftritte, aber das Beste ist, sie machen auf der Tanzfläche Tangounterricht und jeder Gast kann mitmachen. Im Patio Havana ist jeden Donnerstag eine Salsanacht angesagt. Auch hier werden die Gäste und eine ganze Reihe Stammgäste zum „Aulão“ gebeten. Mitmachen und lernen im Handumdrehen. In Brasilien sind natürlich die lateinamerikanischen Tänze angesagt, dazu noch ein paar Rhythmen, die in Deutschland wohl eher unbekannt sein dürften, wie der Forro, der Souk und der Soltinho. Letzterer wird auch Fox genannt, ich kann aber mit dem Standardtanz Quickstep keine Ähnlichkeit entdecken. Die hier gelehrten und getanzten Rhythmen sind vor allem der Bolereo – wir würden Rumba sagen, dann der Salon-Samba – der hat mit dem stilisierten Samba der europäischen Tanzszene allerdings wenig gemein. Die Salsa ist nicht weg zu denken, aber die dürfte in Europa auch ihren Siegeszug gehalten haben. Souk, Axé und Arrocha möchte ich eher mal als Mode- oder Saisontänze bezeichnen. Der Forro hingegen hat seine eigene Geschichte. Als die Eisenbahngesellschaft Great Western Railroad in Brasilien Einzug hielt, wurden englisches Personal und Ingenieure eingestellt. An Wochenenden gab es schon mal Tanzveranstaltungen, die entweder nur für Bahnangestellte und Arbeiter waren oder einmal im Monat für alle (for all). Daraus hat sich im Sprachgebrauch der Portugiesen und Brasilianer das Wort Forró gebildet. Heute steht Forró sowohl für einen eigenen Musikstil und daraus eben auch einen eigenen Tanz. An mindestens vier Abenden in der Woche findet man entweder im Haus der Kultur oder in diversen zweckentfremdeten Konferenzräumen Tanzunterricht statt. Einmal im Monat veranstaltet einer der Tanzlehrer aus Cabo Frio eine Samba-Nacht. Wer wirklich Freude am Salontanz hat, der ist auch in dieser Hinsicht in Búzios bestens aufgehoben. Sie werden mir das ja vielleicht nicht abnehmen, aber in einem dieser Tanzkurse habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Den meisten Europäern fällt besonders der langsame Bolero schwer. Es ist in der Tat nicht leicht, sich in diesem Rhythmus zu Recht zu finden, aber der Bolero ist ein ausdrucksstarker Tanz, der gekonnt vorgeführt eine wundervolle Harmonie des Tanzpaares vermittelt.
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