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Braucht Buzios Diesen Tempel?

Buzios - Eine Heikle Angelegenheit

Das war dann doch des Guten zu viel. Selbst die toleranten Stadtväter von Búzios konnten sich mit dieser Idee nicht anfreunden.

Ein fremder Architekt kam nach Búzios und machte direkt mit einem neuen Projekt Furore, wenn auch im negativen Sinne. Es ist in der Welt allgemein bekannt, dass die Kirchen lieber in Geld schwimmen, als dem Vermächtnis entsprechend, den Armen zu helfen. Haben Sie mal in Not an eine Klosterpforte geklopft? Hat man Ihnen eine warme Suppe serviert? Wohl eher nicht. Das Geld ist ja alles fest angelegt und für die laufenden Ausgaben eingeteilt.

In Lateinamerika ist es nicht viel anders. Die vielen Sekten ziehen den Armen den letzten Cent aus der Tasche, egal ob dann noch etwas für die nötige Milch für die Kinder übrig ist. „Der Herr wird’s Dir vergelten – nach Deinem Ableben.“ Und so wird es niemanden mehr wundern, wenn ein Papst die größte Kirche der Welt in Afrika einweiht, wo rundherum die Kinder verhungern oder ein Vatikan Aktionär von einem Pharmakonzern ist, der unter anderem auch Verhütungsmittel herstellt.

Die Zeugen Jehovas sind in den USA eine Aktiengesellschaft, das ist zumindest ehrlich. Wir machen Knete!

In Búzios nun hat sich folgendes zugetragen. Eine der vielen reichen Sekten, die schon mehrere Gebetshäuser hat, will nun im Zentrum bauen und hat sich dafür einen ausländischen Architekt mit „Welterfahrung“ (Ich bin es ganz ehrlich nicht gewesen) gesucht. Dieser Kollege hat sich nun gleich ans planerische Werk gemacht und es entstand auf dem Papier ein Prachtbau, hell transparent, mit viel Glas, ein wahrer Tempel der Methodistenkirche. Ein Oskar Niemeyer hätte es nicht besser machen können, nur das sich selbst ein Oskar Niemeyer nicht über die städteplanerischen Vorschriften hinweggesetzt hätte, den Bebauungsplan vorher studiert hätte und im Rahmen dieser Bedingungen seine Planung angefertigt hätte. Unser „Kollege“ allerdings hat mit solchen Kinkerlitzchen wenig am Hut und stellte der Baubehörde und den Kirchenvätern dieser Sekte seinen „Tempel“ als das Nonplusultra der Moderne vor.

„Das haben Sie aber fein gemacht, wo soll das Teil denn gebaut werden?“ war nur eine der Fragen, die spontan aufgeworfen wurde. Eine rundum geschlossene, spiegelnde Glasfassade in vierstöckiger Höhe. Von außen eher als Kubus denn als Kirche oder Gebetsort erkennbar.

Das Ei war gelegt, der Skandal war da. Niemand war bereit, sich mit einem solchen wagemutigen Objekt in Búzios anzufreunden. Seit zwanzig Jahren sperren sich die Stadtväter gegen jede Art von
Hochbau. Bei zwei Geschossen ist Schluss. Die großen Hotelketten kommen deshalb nicht nach Búzios, weil sie mit nur zwei Geschossen nicht die Strände verschandeln können und nun kommt eine Sekte daher mit einem fremden Architekten und will mitten im Zentrum der Innenstadt einen Glaspalast hinstellen.

Unter großem Gelächter ging das Projekt zurück an den Planungsausschuss, der Vorsitzende bat die ansässige Architektengilde von Búzios, sich des Objektes anzunehmen und annehmbare Vorschläge auszuarbeiten. Dort liegt es jetzt und wartet auf einen Geistesblitz .