Buzios - Ohne „Inselkoller"
Búzios – ohne „Inselkoller“ Wer mal eine Zeitlang auf einer Insel gelebt hat, der kennt den Begriff „Inselkoller“. Wenn man längere Zeit zum ersten Mal auf einer Insel ist, bekommen manche Menschen so etwas wie eine Phobie, sie fühlen sich eingesperrt, können nicht weg, empfinden sich in der persönlichen Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Weg wollen, aber nicht weg können, hat seine psychologischen Auswirkungen, die ganz harmlos anfangen, sich dann aber zu einem Angstzustand entwickeln können, man wird aggressiv und findet keine Ruhe mehr. Menschen, die unter diesem des Inselkollers leiden, haben Búzios zu „Ihrer“ Insel auserkoren, weil das hier nicht aufkommen kann. Búzios ist durch eine winzige Landenge mit dem Festland verbunden. Jeder kann jederzeit hier weg und eben diese stets offene Möglichkeit, lässt das Gefühl des Festgehaltenwerdens einfach entstehen.
Und trotzdem, das will ich hier gar nicht verschweigen, wer das erste Mal nach Búzios kommt, wird es am eigenen Leib erfahren, Búzios nimmt einen gefangen. So mancher „Buzianer“ kam auf einen Urlaub und ist dann hiergeblieben, erst gestern habe ich mit einem Schweizer gesprochen, er kam vor nahezu 15 Jahren in den Semesterferien her… und ist da geblieben, hat sein Leben völlig neu ausgerichtet, seine Papiere aus Deutschland kommen lassen, eine Brasilianerin geheiratet, das Studium hier noch einmal von vorne angefangen, Kinder in die Welt gesetzt und hat es – so versichert er mir treuen Blickes – nicht einen Tag bereut. Inselkoller? Nö! Aber weg ist er nicht mehr gegangen.
Auf Gran Canaria habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die ihre Krankheit „Inselkoller“ erst im Lauf der Zeit überwunden hatten. „Nachdem ich dreimal um die Insel gefahren bin und einsehen musste, dass ich nur hier weg kann, wenn ich das Geld für ein Flugticket zusammen bekomme, wurde mir richtig schlecht. Ich fühlte mich meiner Freiheit beraubt und wollte plötzlich an alle möglichen Orte, die ich aber nicht erreichen konnte, nicht zu Fuß, nicht mit dem Fahrrad, dem Auto oder dem Zug.“ Wer kann schon eben mal 200 Kilometer bis an die afrikanische Küste schwimmen und läuft dann quer durch die Wüste Sahara?
Wer also seine Freiheit nicht einbüßen möchte und doch so ein Inselfeeling sucht, der ist in Búzios gut aufgehoben. Eben mal einen Tagesausflug nach Rio de Janeiro machen? Kein Problem, geht per Bus. Wobei man sich natürlich auch ganz individuell ein Auto mieten kann, wenn man diesen kurzen Trip selbst unternehmen möchte. Zocker, Schatzsucher und Abenteurer trifft man allerdings nicht an in meinem Búzios, aber die leiden ja eh nicht an irgendeiner Form von Inselkoller oder sonstigen Hemmungen. Mein deutscher Rechtsanwalt sagte mir einmal: „Inselkoller kriege ich nur dann nicht, wenn die Insel mindestens so groß ist, wie Australien.“ Bin mal gespannt, wenn er mich im nächsten Sommer besuchen kommt, was er dann zu Búzios sagt
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