Buzios - Sehen Und Lieben
Buzios – Sehen und Lieben
In der Morgendämmerung fuhr der Überlandbus über die große Brücke von Rio de Janeiro nach Niteroi, ein Meisterstück der Bauingenieure, vierzehn Kilometer lang und man sah Meer, soweit das Auge reichte. Nach fünf Jahren in São José dos Campos und São Paulo Stadt sah ich endlich wieder das Meer, den Atlantik um genau zu sein. Ein herrlicher Sonnenaufgang begleitete meine erste Reise nach Búzios auf der kleinen Halbinsel 175 Kilometer von Rio de Janeiro gelegen. Der Bus verließ die Schnellstraße und schlängelte sich nun durch eine ganze Anzahl kleinerer, ärmlicher Ortschaften. Beim Anblick der unverputzten Häuser, die slumähnlich dicht an dicht und teilweise übereinander gebaut waren, sank mir das Herz in die Hose. „Hoffentlich ist das noch nicht Búzios“, dachte ich bei mir. Auch wenn das Anwesen von Michael und Regine noch so schön sein sollte, so wollte ich dennoch nicht leben. Aber mit meiner Glückssträhne war es noch nicht zu Ende, die Busfahrt ging noch eine ganze Weile weiter. Man sah wieder tropische Landschaft und nach und nach wurden die Straßen breiter und die Häuser ansehnlicher, aufwendiger in der Architektur. Es zeigten sich gepflegte Vorgärten, Ladenzeilen und immer wieder Buchten, die mir einen kurzen Blick aufs Meer gewährten.
Schließlich kamen wir an einer großen Anzahl von Strandhäusern der gehobenen Ausstattung vorbei und ich dachte, jetzt könnte der Omnibus anhalten. Meer, dicht bei den Häusern, jetzt kann es aber nicht mehr lange dauern und so war es dann auch. Wir kamen an der einzigen Bushaltestelle in Búzios an. Eine Art kleiner Busbahnhof, allerdings nur für eine Buslinie. Alles Aussteigen, Gepäck entgegen nehmen und dann war ich auf mich alleine gestellt. Es gab ein Taxi und so fuhr ich zu dem Anwesen, wo man auf mich mit einem Frühstück wartete. Der Taxifahrer hatte einige Mühe, mit meinen Straßenangaben und der Hausnummer etwas anzufangen, hier waren die Taxifahrer mehr an den vielen Pensionen und Hotels orientiert, man wohnte in der Straße der Pension so und so, oder gegenüber dem Hotel so und so oder eben in der Pension so und so. Aber die Straße Ladeira da Colina, Hausnummer 2, da war der Fahrer völlig überfordert. Selbst eine Nachfrage bei der eben öffnenden Apotheke, die einen Auslieferungsservice hatte, ergab nichts Neues. Straßenkarte? Was für eine Straßenkarte! An der Ortstankstelle wurden wir dann endlich fündig, der Tankwart schien jede Straße zu kennen. Ich beobachtete, dass es hier keine Straßennamen gab. Also ich will sagen, die Straßen hatten schon Namen, aber die waren vielleicht in irgend einer Karte beim Katasteramt eingetragen, in den Straßen, den Kreuzungen oder Gabelungen und Abzweigungen waren keine Straßennamensschilder angebracht. Mitten im Ortsteil Geriba gab es einen kleinen Kreisverkehr, dort fuhr man den Hügel hinauf, an einem größeren Hotel vorbei, vierte Straße rechts rein, erste links und man war ganz oben angelangt und dort prangte dann auch das Schild „Existe um lugar“. Ich war angekommen.
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