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Buzios Und Die Meeresschildkroeten

Buzios - Die Schildkroeten

„Wann sehen wir denn endlich die blöden Schildkröten?“
Man konnte es der Kleinen nicht übelnehmen, jemand hatte sie bei Sonnenaufgang aus dem Bett geholt – mitten in den Ferien – und dann waren sie eine halbe Stunde bis zum Strand Praia das Tartarugas gelaufen. Hier saß sie nun schon eine ganze Stunde zwischen Vater und Onkel. Ihr war langweilig, sie hatte Hunger – und war erst vier Jahre alt.

Wenn einem Erwachsenen das Herz über ging, wenn er nach stundenlangem Warten endlich einen Blick auf eine große Meeresschildkröte werfen konnte, die sich nach der Paarung an Land schleppte, den Strand herauf kroch, um an einer ihr genehm erscheinenden Stelle eine Kuhle in den Sand zu buddeln und ihre  Eier abzulegen. Erstaunlich dabei ist, dass die Schildkröte immer an den gleichen Strand kommt, um einmal jährlich ihre Eier abzulegen und zwar genau an dem Strand, wo sie selbst aus dem Ei geschlüpft ist.

Ungewollt stellen allerdings Taucher eine echte Gefahr für die ohnehin schon seltene Meeresschildkröte dar. Daher meine Bitte an alle Taucherkollegen, Tauchlehrer und Tauchergruppen: Fassen Sie die Schildkröten unter Wasser nicht an. Die Tiere können oft über eine Stunde ohne Luft zu holen unter Wasser sein, dann allerdings müssen sie dringend an die Oberfläche. Wenn sie auf diesem Weg von einem Taucher erschreckt werden, tauchen sie naturbedingt wieder in die Tiefe und ersticken dort qualvoll. So sterben jährlich tausende von Schildkröten durch den modernen Tauchtourismus und werden nicht Opfer der weltweiten Abschlachtung von etwa 100.000 Tieren pro Jahr, wo Asien natürlich wieder in der Ersten Reihe sitzt. Allein auf Bali in Indonesien, werden jährlich 20.000 Tiere qualvoll getötet, damit die Touristen einen kleinen Ohrring mit echtem Schildpatt erhalten, man wenigstens einmal im Leben die Lady Curzon-Suppe gegessen hat. Und natürlich ist Schildkrötenleder und das Schildpatt in Japan ein großer Glücksbringer und ein überaus wichtiges Potenzmittel. Es geht mir langsam so gegen den Strich, was bei den Japanern alles als wichtiges Potenzmittel eingesetzt wird. Wenn Wüstensand den Ruf eines Erektionsverstärkers hätte, würde wahrscheinlich innerhalb von 10 Jahren in der Sahara der Sand knapp.

„Guck mal, da kommt ja schon eine!“ „Boah, die iss aber gross“ meinte die Kleine und die ganze Müdigkeit war vergessen. Gespannt wurde zugeschaut, wie sich das Muttertier schnaufend und schleppend mit seinem zentnerschweren Panzer an Land hiefte und immer weiter landeinwärts bewegte. Irgendwann begann es dann, ein Loch in dem Strandsand auszuheben. Das geschah mit der Hinterflosse und dann begann die eigentliche zeitrauende Arbeit der Eiablage. Es ist schon geschehen, dass die Tiere danach so erschöpft waren, dass sie nicht mehr bis ins Meer zurück gelangten und in der Mittagshitze qualvoll gestorben sind.

Nun dieses Tier hatte Glück und schaffte die ganze Prozedur. Vielleicht kommt sie nächstes Jahr wieder, wenn sie den Häschern entkommen konnte.