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Der Zeitfaktor In Buzios

Buzios - Hier Ticken Die Uhren Anders

Búzios, Deine Kinder scheinen in einer anderen Welt zu leben. Neben all der Liebenswürdigkeit und Aufnahmebereitschaft haben die Buzianer in den letzten Jahrzehnten entweder ein paar Ursprünglichkeiten zu konservieren gewusst, oder sie haben sich ein Ruhe  angedeihen lassen, die den normalsterblichen Mitteleuropäer völlig aus der Fassung bringen kann.

Für einen Buzianer scheint es einfach nichts Eiliges zu geben, nichts, aber auch gar nichts kann nicht wenigstens bis morgen warten oder gar bis nächste Woche. Wie ist das in Ihrem Heimatland, wenn die Waschmaschine einen unerwarteten Defekt hat? Sie rufen den Kundenservice an, man vereinbart einen Termin und dann steht ein Techniker mehr oder weniger pünktlich vor der Tür und widmet sich ganz der gestellten Aufgabe der Waschmaschinenreparatur. Entweder hat der Monteur aufgrund der Erklärungen am Telefon das Ersatzteil bereits dabei, oder im schlimmsten Falle muss das Gerät mit in die Werkstatt und wird dann zu einem mit Ihnen festzulegenden Termin wieder installiert. Richtig? Na, jedenfalls war das damals in Deutschland so der Fall.

In Búzios kommt es im Grunde auf dasselbe hinaus, allerdings ist der Weg ein anderer. „Carlos, meine Waschmaschine ist kaputt, ich habe das Haus voller Leute und kann nicht waschen. Wann könntest Du einmal vorbei schauen?“ „Also, wenn alles klappt, komme ich schon heute Nachmittag.“ Er kommt dann natürlich nicht. Sie rufen am Folgetag genau so freundlich noch einmal an, „Carlos, hast Du mich gestern vergessen? Meine Waschmaschine ist doch kaputt?“ „Ach, hier ist die Hölle los, ich weiß nicht wo mir der Kopf steht, aber heute komme ich ganz bestimmt.“ Er kommt dann allerdings nicht. Nächster Tag: „Carlos ich habe schon keine Handtücher mehr für die Gäste. Ich brauche dringend Deine Hilfe wegen meiner Waschmaschine.“ „Siehste, ich wusste es doch, dass ich irgendwas vergessen hatte. Warte, ich schreibe es mir gleich auf, dann komme ich heute garantiert.“
So nach vier Tagen steht Carlos dann freudelächelnd vor der Tür, schaut mit einem Kennerblick auf die Waschmaschine und stellt fest, dass er das Teil mit in die Werkstatt nehmen muss. „Ich komme am besten morgen früh vorbei mit meinem Kombi und hole sie ab.“
Nächsten Tag hat der Wagen ein Problem, aber am übernächsten steht er dann wirklich in aller Herrgottsfrühe da, mit einem Helferlein für den Transport. „Wenn Du weißt, was sie hat, ruf mich bitte eben an, und sag mir, was es ungefähr kosten wird.“ Natürlich rufen Sie dann drei Tage lang an und verlangen den Kostenvoranschlag. Das Ersatzteil kommt dann auch meistens zügig nach einer Woche und schwuppdiwupp steht die Maschine einsatzbereit wieder an ihrem Stammplatz. „Ging doch wie geschmiert, was? meint Carlos.

Ihnen wäre der Hut hoch gegangen? Sie hätten sich am Telefon vielleicht zu einer Äußerung wie: „Carlos, so geht das nicht, das ist jetzt das dritte Mal, dass ich anrufe, Wofür machen wir überhaupt Termine, wenn Du keinen einhältst?“ Das Ergebnis wäre dann in etwa ein beleidigter Carlos: „Habe ich etwa Deine blöde Maschine kaputt gemacht? Mich rufst Du doch bloß an, wenn ich Dir helfen soll, das wieder in Ordnung zu bringen.“ Und dann kann man erst recht lange warten.