Buzios - Anekdoten: Der AngelausflugLangsam wurde es heiß, nur gut, dass wir nicht der direkten Sonne ausgesetzt waren, sondern unter einem kleinen Sonnensegel Platz hatten, sonst wäre ich als Europäer wohl nicht nur einem heftigen Sonnenbrand unterlegen sondern auch gleich einem Sonnenstich. Aber im Schatten ging, wenn auch die Sonnenreflexe auf den kleinen Wellen meine Augen immer wieder blendeten. Dann schaltete er den Motor ab und machte das Boot an einer kleinen roten Boje fest. Das Gespräch erstarb und wir machten uns an die Köder und ich sah zu, wie der Fischer einen Fangarm eines kleinen Tintenfisches an dem Angelhaken befestigte, machte es ihm nach und ließ den Köder langsam über Bord gehen. Der Fischer machte mir Zeichen, den Köder tiefer und tiefer fallen zu lassen. Auf meiner Schnur waren gute 500 Meter drauf, eigentlich war ich also beruhigt, aber das Blei zog unablässig in die unergründliche Tiefe und der Fischer machte kein Zeichen, dass es tief genug sei. Mehr als die Hälfte der Schnur war von der Rolle, als endlich ein Wink kam. Nun folgte Stille und das Beobachten der Rutenspitze. Zwischenzeitlich hatte auch der Fischer zwei Köder abgelassen und lehnte sich zufrieden zurück. Klar, ob ich was angelte oder nicht, er hatte seinen Fang aus der Nacht schon sicher an Land bei seiner Frau im Laden und würde heute noch ein ordentliches Zubrot verdienen, da er mit einem Gringo angeln gefahren war. Bald sah es so aus, als würde der Fischer eingeschlafen sein. Und nun? Was sollte ich machen, wenn einer biss? Raufziehen natürlich, gucken was dran war und dann entscheiden. Und wenn sich bei den Schnüren des Fischers was tat, würde ich ihn einfach wecken. Wir näherten uns einem Riff, auch hier machten wir das Boot an einer vorbereiteten Ankerstelle fest. Köder über Bord und warten. Ja haste gedacht, kaum 150 Meter Tiefe und ich spürte deutlich den Anbiss. Anschlagen und hochhieven war nun angesagt. Was zum Vorschein kam, war ein schöner großer Rotbarsch. Mein Nummer eins mit gut und gerne 7 Kilo. Neuer Köder und wieder ablassen. Gleiche Höhe gleicher Erfolg. Auch der Fischer machte sich ans Landen. Keine Stunde war vergangen und wir hatten 14 große Rotbarsche an Bord. Weiter zu einem anderen Angelplatz. Eine träumerische Bucht würde ich gesagt haben, wenn ich so im Angelfieber gewesen wäre. Aber wir kamen nicht mehr zum Angeln. Wir wollten gerade die Schnüre ins Wasser lassen, als ein Delphin auftauchte. Wir haben uns ganz still verhalten – Delphine angelt man nicht, das war klar! So wurde ich Zeuge, wie eine Delphinmama ihr Junges zur Welt brachte. Kaum fünf Meter vom Boot entfernt konnten wir den Geburtsvorgang miterleben und den ersten Atemzug des Delphinbabys miterleben. Mein erster Angelausflug wurde für mich dadurch zu einem unvergesslichen Erlebnis.
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