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Familienzusammensetzung In Buzios

Buzios - Großfamilien

Glückliche Kinder in Búzios, das kommt nicht von ungefähr und ich habe das näher untersuchen wollen. Damit Kinder eine glückliche Kindheit haben, müssen sie auf ein harmonisches Umfeld stoßen, sie brauchen den nötigen Freiraum, um sich entwickeln zu können und müssen selbst die Grenzen ausloten und Konflikte innerhalb der Kindergruppen lösen.

In Búzios gibt es bereits frühmorgens einen geregelten Busservice, der die Schüler zur Schule hinbringt und auch wieder zurück. Die Kleinkinder werden noch von den Eltern in Kindergärten oder Vorschulen gebracht, aber wenn es mit der Grundschule ernst wird, stehen Kleinbusse zur Verfügung. Schlangen von radfahrenden Schülern, wie ich es aus meiner Schulzeit kenne, gibt es nicht, überquellende Fahrradabstellplätze oder gar Abstellkeller, wo so manche Luftpumpe oder Klingel verschwunden waren, sind hier ein undenkbar.

Meine Frau – sie ist hier in Búzios Kinderärztin -  klärte mich auch darüber auf, wie es im Gesundheitssystem in Bezug auf die Kinder aussieht. Muss ein Kind zum Arzt, wird es – wie auch in Deutschland – von einem Elternteil, oder  gar beiden begleitet. Muss ein Kind interniert werden, hat jedes brasilianische Kind das Recht, während seines Klinikaufenthaltes von einem Elternteil Tag und Nacht begleitet zu werden.
„Bringt das nicht einen riesigen Mehraufwand für das Pflegepersonal mit sich?“ war mein erster Gedanke. „Nein im Gegenteil, das Kind wird von einem ihm bekannten Menschen während des Klinikaufenthaltes versorgt, vielleicht wenn nötig gefüttert und es ist auch nachts immer jemand in Reichweite. Wir haben in den letzten 20 Jahren die Erfahrung gemacht, dass die so umhegten Kinder wesentlich kürze Aufenthaltszeiten in der Klinik haben, als vorher, wo es diese gesetzliche Regelung noch nicht gab.
Die meisten Familien haben im Durchschnitt drei Kinder. Wenn also die Mutter bei einem kranken Kind in der Klinik bleibt, wer versorgt dann die anderen Kinder, wollte ich noch wissen.
„Na entweder die Oma, oder eine Schwester der Mutter, eine Tante, eine Nachbarin, das ist doch ganz logisch!“ Für mich war das gar nicht so logisch, ich denke nur mal, meine Mutter hätte sich bereit erklären sollen, der Nachbarin eben mit deren drei Kindern den Haushalt führen sollen, weil diese beim Herbertchen in der Klinik war. Ich glaube meiner Mutter wären auf Anhieb vierhundert Ausreden eingefallen, warum das nun gerade überhaupt nicht gehen würde.

Anders in Brasilien, hier bestehen die Familien in den allerseltensten Fällen nur aus Mutter, Vater und Kind, oder Kindern. Da schon die Bevölkerung so zusammen gesetzt ist, dass auf einen Mann sechs bis – regionalbedingt – sieben Frauen kommen, hat also nicht jede Frau das zweifelhafte Glück, einen Mann mit abbekommen zu haben. Oft lebt also bei der Familie noch eine Schwester oder gar zwei, ein Elternteil oder ein weiter entfernter Verwandter. In den Häusern ab der Mittelklasse gehören auch ein oder zwei feste Hausangestellte zum ständigen Haushalt.

Selbst eine Nachbarin würde sich nicht der Hilfe verweigern, sie könnte ja in eine ähnliche Situation geraten.