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Grundlagen Zu Einem Gluecklichen Leben In Buzios

Buzios - Glueckliche Kinder Teil 1

Ich denke, die meisten aus meiner Generation – ich bin Baujahr 1954 – können sagen, sie hatten eine schöne Kindheit. Es gab zum einen genug Kinder zum Spielen, es gab die Schulkameraden, die Eltern hatten noch Zeit, man hatte mehr Freiraum, es war nicht alles so reglementiert wie heute, der Lehrer war noch eine Respektsperson, genauso der Pfarrer.

Als ich aus Deutschland auswanderte, las ich an einem meiner letzten Tage eine Zeitungsanzeige unter Vermischtes:  Habe eine zweijährige Tochter und suche eine Mutter, die auch ein Kind in diesem Alter hat, damit die beiden vielleicht einmal miteinander spielen können. Wohne in ‚soundso‘ und suche im Umkreis von 10 Kilometern.

Seit vielen Jahren hatte ich schon auf keiner Straße in Deutschland so viele Kinder gesehen, dass man „Der Kaiser schickt seine Soldaten aus“ hätte spielen können. Wem das Spiel nicht bekannt ist, da werden zwei Spielgruppen a zehn Kinder gebildet, die sich in etwa 10 Meter Abstand gegenüberstehend eine geschlossene Reihe über den Weg oder die Straße bilden. In jeder Gruppe ist einer als Kaiser ernannt worden und der schickt nun einen seiner tapferen Soldaten aus:  „Der Kaiser schickt seine Soldaten aus – er schickt den Manfred zum Tor hinaus.“ Und unter Anfeuerungsrufen der ganzen Gruppe rennt dieser Manfred nun los und versucht die ‚feindlichen Linien‘ zu durchbrechen. Die Kinder der gegnerischen Gruppe hielten sich alle fest an den Händen fest und bemühten sich den anstürmenden Soldaten aufzuhalten. Mal gelang es, mal gelang es eben nicht.
Wurde die feindliche Kette unterbrochen, durfte der anstürmende Soldat einen Gefangenen machen, der dann dem eigenen Heer einverleibt wurde. Konnte der Soldat die Kette allerdings nicht unterbrechen , so musste er im feindlichen Herr verbleiben und spielte nun auf der anderen Seite mit. Waren nun bei einem Heer die Reihen schon arg dezimiert, so konnte sich der König sogar selbst „zum Tor hinaus“ schicken, um vielleicht als stärkster einen Gefangenen zurück zu erobern. Wenn auf einer Seite nur noch zwei übrig waren, hatte diese Gruppe verloren. Das Spiel konnte sich stundenlang hinziehen – jedenfalls kam es uns Kindern so vor.

Sie werden es mir nicht glauben, aber als ich in Búzios ankam und habe diesen Kindersegen gesehen, war ich augenblicklich in meine Kindheit zurück versetzt. Die Kinder spielten auf der Straße, lachten, hatten vielleicht sogar einen Apfel oder eine Brotschnitte in der Hand. Die Bilder, die ich längst vergessen geglaubt hatte, erschienen wieder neu vor meinem geistigen Auge. Búzios kann glückliche Kinder aufweisen, die nicht im Kinderzimmer hocken und wochenlang nur mit Nintendo beschäftigt sind. Das Leben findet draußen statt und hier schmieden sich die Freundschaften, die ein Leben halt werden.

Wer es in der Schule bis zur mittleren Reife geschafft hat, der wird, wenn er auf das Gymnasium oder wenigstens eine ähnliche Einrichtung möchte, in die Nachbarstadt mit dem Schulbus fahren und wer gar studieren will, dem stehen die Universitäten von Rio de Janeiro in Reichweite zur Verfügung.