Buzios Anekdoten - Der Amtsschimmel Teil 1
Stellen Sie sich einmal vor, bei Ihnen in der Nachbarschaft würde ein Einfamilienhaus illegal hochgezogen. Ich gebe Ihnen Recht, das ist in Deutschland fast undenkbar, gut, ich meine vielleicht wird das eine oder andere Gewerk nicht abgerechnet, sondern in Nachbarschaftshilfe erstellt, aber ne komplette Baustelle – also ein Schwarzbau – das wäre eher unwahrscheinlich, oder?
Vor meiner Nase, im Garten des Nachbargrundstücks waren eines Morgens um sieben Uhr Arbeiter mit Erdaushüben zugange. Der morgendliche Lärm war eher ungewöhnlich, aber dachte ich, na der baut sich vielleicht eine Terrasse an. Allerdings stellte ich nach drei Tagen mit dem Kennerblick des Architekten mit 30 Jahren Berufserfahrung fest, dass man für eine Terrasse bestimmt keine solchen Fundamente gießen muss! Auf der Straßenfront suchte ich vergebens nach einem Bauschild, mir schwante Fürchterliches. Der wird doch nicht…
Vorsorglich rief ich mal bei der Baubehörde der Gemeinde an, um zu erfahren, ob für das Grundstück in meiner Straße eine Baugenehmigung beantragt oder erteilt worden sei. Nach wenigen Weiterleitungen innerhalb der Behörde erklärte ich mein Anliegen endlich dem Richtigen. Ein Blättern in einem (dicken) Buch war zu hören, ein Gleiten des Fingers auf dem Papier. „Wie sagten Sie, heißt die Straße?“ „Ladeira da Colina – Hausnummer steht da keine dran, aber meine Hausnummer ist die 2 und es ist gegenüber der 5, dem Haus von Dona Sonja.“ „Nein, da liegt kein Bauantrag vor und es wurde auch keine Baugenehmigung von unserer Seite aus erteilt.“ Damit war für den Beamten die Angelegenheit fast erledigt. „Und was gedenken Sie zu unternehmen?“ fragte ich nach. „Möchten Sie etwa eine Anzeige wegen illegaler Baustellentätigkeit aufgeben“. „Ja natürlich will ich das!“ „Moment, dann muss ich das protokollieren und Ihnen eine Beschwerdenummer zu teilen.“ Also noch mal von vorne, alles erklären und auch beschreiben, welche Art von handwerklicher Verrichtung da gerade im Begriff der Ausführung war. „Ihre Beschwerdenummer ist die 479 aus 2007, Sie können jederzeit wieder anrufen, wenn Sie weitere Fragen haben oder nachhören wollen, was daraus geworden ist.“ „Vielen Dank, auf Wiederhören.“ Eine Woche geschieht nichts, eine weitere Woche geschieht nichts, auf dem Nachbargrundstück wird mittlerweile auf der Kellerdecke fleißig gemauert. Ich rief erneut bei der Baubehörde an und teilte gleich die eingetragene Beschwerdenummer mit. „479 sagten Sie? Es ist zum verzweifeln, der Kollege hat das Eintragsbuch mitgenommen, können Sie morgen noch einmal anrufen?“ Am nächsten Morgen dann „479? Ja ist denn da noch niemand draußen gewesen? Warten Sie mal einen Moment, der Beamte, der die Besichtigungen macht steht hier gerade.“ „Diego hier, also ich kann die Straße nicht finden, können Sie mir einen Anhaltspunkt geben, ich würde mir das Ganze dann auch von Ihrer Seite einmal anschauen.“ Es folgt meine Erklärung, über die genaue Adresse und – für Kleinkinder erklärt wie man hingelangt. Nachmittags klingelt es bei mir, ein Diego verlangt Einlass, hat einen netten Sheriffstern dabei, kann sich als Beamter der Baupolizei ausweisen.
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