Buzios - Drachensteigen
Die Kinder scheinen hier nicht nur bloß ihre Drachen zur eigenen Freude an den Himmel zu stellen, es scheint dabei auch so eine Art Spiel zu geben. Ich möchte nicht gleich von Kampfdrachen reden, aber es scheint hier üblich zu sein, dass die ersten Meter Schnur am Drachen eine Spezialbehandlung erfahren. Die Kinder machen eine Mischung aus einem Kleister und – ja wie soll ich es recht bezeichnen – Glasstaub. Durch diese Mischung lassen sie die Schnur laufen, dann trocknen lassen und fertig. Die so behandelte Drachenschnur fühlt sich an, wie Sandpapier. Wenn die Kinder nun ihre Drachen steigen lassen und einer der Drachenführer schafft es, sich leicht mit der Schnur eines anderen zu verheddern, genügen ein paar ruckartige hin und her Bewegungen und dem Opfer wird die Führungsleine gekappt. Man ist als Sieger aus dem Drachenkampf hervorgegangen und erntet anerkennende Rufe der Freunde und einen ordentlichen wohlwollenden Klaps auf die Schulter. Jedes Ding hat zwei Seiten, diese mit Glassplittern behandelten Schnüre können allerdings auch zum Verhängnis werden. In São Paulo ist einem Motorradfahrer schlicht der Kopf vom Rumpf getrennt worden, weil er mit seinem Motorrad fahrend, die dünne Leine nicht gesehen hatte, die sich quer über seinen Fahrweg gespannt hatte, verheddert in zwei gegenüberliegenden Bäumen hing genau der Teil der Drachenschnur durch, der seine Glasspezialbehandlung erfahren hatte. Abgerissene Drachen können noch eine ganze Ecke fliegen und wenn man sie nicht wieder findet, kann es unter besonderen Umständen zu einem Verhängnis kommen.
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