Glueckliche Kinder In BuziosUm eine glückliche Kindheit zu haben, braucht es für Kinder vor allem eines, nämlich andere Kinder! Hier in Búzios würde niemanden das Kinderlachen im Nachbarsgarten stören. Wenn die Rasselbande zu groß wird, schickt man sie getrost an den Strand, wo sie gefahrlos Ballspielen, singen, laufen, schreien und was weiß ich nicht noch alles machen können. Ich brauche hier nicht weiter darauf einzugehen, dass Inselkinder oder in diesem Fall Kinder einer Halbinsel schwimmen können, wie die Fische und seit frühester Kindheit an das Meer, die Wellen, Strömungen und Winde gewöhnt sind. Kinder ab dem schulpflichtigen Alter haben hier auch nachmittags noch Schule, dann werden Hausaufgaben gemacht und gar nicht selten stehen in den Freizeitaktivitäten dann Proben in der Sambaschule an, die Jungs gehen in den Fußballverein oder treffen sich auf irgendeinem Bolzplatz. Die kleine Thereza weiß natürlich noch nicht, wie man einen Drachen baut, aber das ist kein Hindernis, die anderen Kinder sind sofort zur Stelle und helfen. Ich beobachte dieses Miteinander beim Surfen, beim Drachensteigen, beim Radfahren. Jeder ist ohne Frage mit verantwortlich für das Allgemeinwohl der Kindergruppe, niemand wird ausgeklammert, sondern jeder wird mit all seinen Eigenarten akzeptiert und integriert. So ein Verhalten legt in den frühen Jahren den Grundstein zum späteren Sozialverhalten als Erwachsener. Was ich auch nicht entdecken konnte, ist dieser übertriebene Egoismus des einzelnen, der ständige Wettbewerb wegen ein paar blöder Tennisschuhe oder einem neuen Handy. Joana hat überhaupt kein Problem, ihr neues I-pod eben mal der Rosa auszuleihen, sie bekommt es ja gleich wieder. Da gibt es keine Besitztumskämpfe oder eifersüchteleien, wobei wir bei einem anderen Stichwort wären. Eifersucht. Die Eifersucht wird die Kinder wohl von klein auf ein Leben lang begleiten. In einer Bevölkerung, in der 60% unter 30 Jahre alt sind und in der auf einen einzigen Mann durchschnittlich sechs Frauen kommen, hat das zur Folge, dass sehr viele Brasilianer sich nicht mit nur einer Frau zufrieden geben und damit ehelichen Konflikten Tür und Tor geöffnet sind. Sobald die Pubertät beginnt, startet auch unter den Kindern die Rivalität in Sachen Freund, Partner, Gefährte. Sind die Kinder in allem auch noch so großzügig, geht es allerdings um den Schulkameraden, die Busenfreundschaft, da spätestens hört der Spaß auf und der Konflikt beginnt. Gott sei Dank ist das kindliche Konfliktverhalten gut eingeprägt und so ist die Lösungssuche des Problems von beiden Seiten gleich intensiv, denn man möchte die Harmonie wieder herstellen. Nicht selten kommt es vor, dass der junge Mann, um den sich die Damenwelt da streitet, einfach mit beiden Kontrahentinnen bricht, damit die Freundinnen wieder zusammen kommen. Eine nette Geste, finde ich.
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