Buzios - Was Geht Und Was Eher Nicht GehtHaben Sie schon einmal von dem Augenarzt gehört, der nach Brasilien ausgewandert ist und nun hier am Strand eine Saftbude hat? Nein? Also der Mann kam nach Brasilien, heiratete eine Brasilianerin, beide sind auch heute noch mit zwei Kindern eine glückliche Familie. Er allerdings konnte mit seinem Diplom hier nicht viel anfangen. Zum einen hatte er nicht unbedingt das Sprachvermögen und sprach auch nach fünf Jahren nur ein sehr eingeschränktes Portugiesisch. Zum anderen hätte er hier, um als Arzt in einer Klinik arbeiten zu können, ein paar Monate unter Aufsicht an einer hiesigen Klinik arbeiten müssen. Dann erfolgt eine berufliche Beurteilung durch die Klinikleitung, diese ergeht an ein Organ ähnlich der in Deutschland bekannten Ärztekammer. Diese kann – muss allerdings nicht – die Zulassung als Arzt aussprechen. Unser deutscher Augenarzt hat diese Klippen nicht genommen – ist allerdings mit seinen hervorragenden Obstsäften auch sehr glücklich geworden. Was der Brasilianer überhaupt nicht ab kann, sind Besserwisser, die von weiß der Geier herkommen und hier alles mies machen. Dazu kommt noch eine gewisse Sturheit – das haben wir schon immer so gemacht. Und so wird manches auch in der dritten Generation falsch gemacht. Man muss mit Menschen umgehen können, Geduld haben und darf auf keinen Fall den Schulmeister raus kehren, wenn man sich in Brasilien, Freunde schaffen und Achtung und Respekt erwerben will. Machen, zeigen, wieder machen, wieder zeigen und dann Fragen aufkommen lassen. Nur wer fragt, will auch eine Antwort. Wir Deutschen meinen immer, wir müssten den Anderen unsere Meinung und unser Wissen aufdrängen, auch wenn gar keiner danach gefragt hat. Nun ich bin beruflich ein Architekt und Autor, kein eigentlicher Bäcker also. Die Bestellungen nahmen überhand und ich konnte mit meinem kleinen Gasherd gar nicht alles bewerkstelligen, selbst wenn ich morgens um zwei Uhr aufgestanden war. Was tat ich? Ich nahm ein paar meiner „Wecken“ und brachte sie diversen Bäckermeistern zum Kosten. Niemandem wollte ich Rezept, das große Geheimnis meiner Zutaten verraten. Drei – viermal machte ich meine Runde, bis endlich ein Bäcker so neugierig war, dass er mich gerade zu löcherte, um hinter die Backzutaten zu kommen. Das Ende vom Lied war, er erhielt das Rezept und die Herstellungsabfolge. Er übernahm meine Kunden und zahlt mir noch heute pro verkaufter Wecke einen kleinen Betrag auf mein Konto. Alle sind zufrieden und ich habe wieder meine verdiente Nachtruhe.
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